Die "Ratnyčėlė"-Skulptur

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Neben dem hübschen Fußgängerbrückchen über die Ratnyčia werden Sie ein auf einem hohen Fundament sitzendes Mädchen erblicken – die "Ratnyčėlė"-Skulptur. Sie wurde 1959 von dem Bildhauer, Staatspreisträger und Professor Bronius Vyšniauskas errichtet, dessen Monumente Sie im Grūtas-Park und an anderen prominenten Orten Litauens sehen können.

Von der Antike bis zur Ausgestaltung europäischer Parks haben Künstler Wassergottheiten dargestellt, darunter Okeanos, Nil, Tiber und tanzende Quellnymphen, doch in Litauen hat diese Mode nie Fuß gefasst. Die "Ratnyčėlė" ist vermutlich der einzige Fluss im Lande, der mit einem menschlichen Antlitz dargestellt wurde.

Die Skulptur ist bereits über ein halbes Jahrhundert alt, doch sie ist immer noch bezaubernd romantisch – nur, dass jede Generation sie anders erlebt. Das hohe Piedestal und die Treppen zeigen, in welche Höhen man weibliche Anmut heben kann und wie wunderbar das mit dem träumerischen Murmeln des Flusses harmoniert.

Die alten Bewohner von Druskininkai kennen noch die Legende davon, wie die Ratnyčia zu ihrem Namen kam. Einst soll zwischen den Wäldern ein Großbauer gelebt haben, dessen Söhne nicht auf den Ländereien des Vaters arbeiten wollten (das stelle man sich vor!). So mussten sie heiraten und Handwerk treiben. Der Ältere wurde Müller, während der Jüngere ein schönes Mädchen, das einzige Kind ihrer Eltern, heiratete und in ihre Heimat zog. Er entschied sich für das Stellmacherhandwerk, sein Betrieb florierte, und schließlich bauten sie am Ufer des Flusses neben der Kirche ein großes Haus. Damit die Menschen den talentierten Stellmacher finden, hing über dem Tor ein Rad mit der Aufschrift Ratnyčia ("Stellmacherei"), und die Wirtschaftsräume seiner Frau nannten sie Ratnyčėlė ("kleine Stellmacherei"). Wie es den beiden weiterhin erging, wissen wir nicht, aber an der Kunstschule können Sie mit der "Mutterschaft" eine weitere Skulptur von B. Vyšniauskas bewundern.

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